Shaolin Kempo


Das Wort "Karate" stammt aus der japanischen Sprache und bedeutet so viel wie "leer" ( Kara) und "Hand" ( Te), also "leere Hand". Diese Kampfsportart beinhaltet Stöße, Schläge und Tritte. Es haben sich in Asien im Laufe der Zeit viele Stilarten des Karate entwickelt, eine hiervon ist das Shaolin - Kempo (chinesischen Ursprungs). In den Niederlanden und Norddeutschland, aber auch in der Schweiz gibt es von dieser Stilart viele Vereine, bei uns in Baden - Würtemberg noch nicht. Das Kempo unterteilt sich wiederum in sog. "weiche Formen" ( wie Kung Fu) und "härtere Formen", ähnlich dem Karate. Dieses "Kempo-Karate" wird in unserem Verein in Sigmaringen gelehrt.

Ohne auf die Geschichte weiter einzugehen unterscheidet sich das Kempo von den bekannteren japanischen Karatestilen ( z.B. Shotokan, Gojo Ryu, Shorin Ryu, Wado Ryu usw.) ganz erheblich. Fließende Bewegungsformen bei den Katas ( beim Kempo Sifat genannt) und Partnertechniken ( später auch mit erlaubten Waffen wie z.B. Tonfa, Bo etc.) sind Inhalte der Gürtelprüfungen. Das Kempo ist vielseitiger und ermöglicht später den Schülern die Entwicklung eigener, sog. "freier Techniken".

Wie bei den weiteren Karatestilarten sind die japanischen Namen, Wettkampfregeln bei Turnieren, sowie Ausführungen von Techniken und Tritten identisch. Im training und wettkampf werden techniken kontrolliert vor dem Kopf abgestoppt; dies erfordert vom schüler ein großes Maß an Körperkontrolle und Beherschung. Kempo ist eine sehr anspruchsvolle, jedoch sinnvolle und schöne Sportart, wenn man gelernt hat, sie zu verstehen. Jedes Training beginnt mit der Vorbereitung des Körpers auf den technischen Teil mit einer 30 - minütigen funktionellen Gymnastik. Sie enthält Übungen für den ganzen Körper, schult Schnellkraft, Ausdauer, Balance, Koordination und Dehnung. Die Gymnastik in unserem verein wird von Sportärzten empfohlen. eine der grundlegenden Voraussetzungen für einen Dan (Meistergrad ), welcher bei uns frühestens nach fünf Jahren regelmäßigen Trainings möglich ist, sind ab der ersten Stunde:

Geduld:

Auch wenn einige Übungen noch so einfach aussehen mögen, fällt das "Nachmachen" schwer. Erst hiernach folgt das "Verstehen".

Disziplin:

Fast immer trainieren wir in einer großen Gemeinschafr. Nicht zuletzt aus Verletzungsgründen ist hier eine im gegensatz zu anderen Sportarten strenge Disziplin unerläßlich.

Beherrschung:

Die Kontrolle des eigenen Körpers und Geistes ist beim Budo (Oberbegriff aller Kampfsportarten) ein unbedingtes Muss. Hierzu zählt auch das " Verlieren können" bei wettkämpfen, es ist viel schwieriger als ein errungener Sieg.

Höflichkeit:

Als Grundwerte des freundlichen Umgangs miteinander werden gewisse Regeln, die unserer Gesellschaft leider nicht immer vorhanden sind , beim Karate "aufgefrischt". Die Achtung vor dem Partner, mit dem man trainiert, sowie das Betreten und Verlassen des Dojos (=Trainingsraum) werden durch Verbeuung symbolisiert. Der normale Gruß , wie z. B. " Guten Tag", oder ein einfaches "Hallo" vor und außerhalb dem Training fördern die Kameradschaft im Verein , auf die wir besonderen Wert legen.

Konzentration:

Durch anstrengende körperliche Betätigung wird man bekanntlich müde, man kann sich nicht mehr konzentrieren. Karatetraining, regelmäßig betrieben, gewöhnt Körper und Geist nach und nach an die Belastungen und setzt Konzentrationsschwächen nachweislich herab. Dies wirkt sich auch positiv in der Schule aus.

Bescheidenheit:

Im Training bedeutet dies: dem Partner helfen, wenn er schwächer ist, als selbstzufrieden über ihn zu lachen; außerhalb: seine eigenen Fähigkeiten nicht zur Schau stellen, sondern für sich behalten. Wer aufgefordert wird: "Zeig mir mal, was Du im Karate lernst!", sollte den interessierten Frager mit zum Training bringen, damit er eigene und sicher bessere Erfahrungen sammeln kann.

Dies alles liest sich sehr schwierig. Wenn man zudem einige der Fortgeschrittenen beim Training beobachtet, mag man meinen: "das schaff ich nie". Doch jeder hat einmal angefangen und die Trainer wissen das. Alles dauert siene Zeit, einer lernt schneller oder bringt durch andere Sportarten vielleicht bessere Voraussetzungen mit, ein anderer nicht. Das Ziel steckt jeder selbst, wenn er die eigenen Grenzen erkennt. In unserem Verein zählt der Wert des Sportlers gemessen an seinem Charakter und nicht an seinem Leistungsvermögen.

Shaolin Kempo, auch unter der Bezeichnung Kung-Fu oder Chuan-Fa bekannt, stammt der Überlieferung nach ursprünglich aus Indien. So kam im Jahre 520 zur Zeit der Liang-Dynastie (506-550)
Ta Mo (sanskrit: Bodhidharma; jap.: Daruma) einer chinesischen Legende nach aus Indien nach China. Er wollte die Lehre Buddhas verkünden und ließ sich im Norden im Shaolin-(jap.: Shorinji) Kloster der Honan-Provinz nieder. Hier meditierte er mehrere Jahre und unterwies seine Schüler zur körperlichen Belebung in Gesundheitslehre und Selbstverteidigung. - Einen wesentlichen, wenn auch ungewollten Umstand zur Entwicklung der Shaolin-Techniken, trug die politische Zielsetzung des Waffenverbots und der Volksunterdrückung durch diverse Dynastien Chinas bei. Aufgrund dieser Tatsache traf man sich an geheimen Plätzen, um sich der verschiedensten Selbstverteidigungsarten zu entsinnen. So kam es, daß sich gerade in China die Kampfkünste zur Blüte entwickelten. Selbst später, in anderen ostasiatischen Ländern entwickelte Kampfsysteme, sind auf den chinesischen Ursprung zurückzuführen.

Der 1928 in der Mongolei in einer von Bürgerkriegen und japanisch-chinesischer Auseinandersetzungen geprägten Zeit geborene Niederländer Gerald Karel Meijers kreierte ein Kampfkunst-System, das er später ,,Shaolin-Kempo" nannte. Seinen Angaben zufolge hatte die Berührung mit chinesischen als auch japanischen Kampfkünsten wesentlichen Einfluß auf sein System.
Der Kontakt zu den Künsten Chinas soll durch verschiedene Aufenthalte während der Kinder- und Jugendjahre in entsprechenden Klöstern zustande gekommen sein. Der japanische Einfluß entstand durch Begegnungen mit Kampfkunstexperten wie Yamaguchi Gogen (Goju-ryu-Karate) sowie Doshin So (Shorinji-Kempo).
Die Bezeichnung "Shaolin" soll einerseits in Anlehnung auf den gelernten nordchinesischen Kampfstil ,,Chuan Su" gewählt worden sein, andererseits in bezug auf die in den dortigen Provinzen synonym gebräuchliche, buddhistische Bezeichnung für den sog. ,,harten" Stil.

Shaolin-Kempo wurde über die Niederlande 1956 durch den Mongolen Dschero Khan Chen Tao in Europa eingeführt. Aus staatsrechtlichen Gründen nahm er den Namen Gerald Karel Meijers an. Herr Meijers gründete und leitete unter seinem Vorsitz den ,,Eerste Nederlandse Kempo Bund (ENKB)".